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Unfall


                                                       

Die Sonne ging unter,

        bevor es Abend wurde.

 

                                                                              

 

 

15.06.2006....

der Tag an dem die Welt für uns stehen blieb.

Seit diesen Tag, um 17:04 Uhr leben wir in der

Vergangenheit.

Wir möchten diesen Tag aus unserem Leben streichen,

oder die Zeit zurück stellen,

manchmal denken wir sogar, das ginge zu machen,

aber dann... leider nur ein kurzer Traum.

 

 

Wir waren bis zum 15.06.2006 eine ganz normale glückliche Familie.
Wir, das sind Oli, Catrin und Uwe.
Wir haben immer zusammen gehalten und waren für einander da.

Am 15.06.2006 hatte Oli seine letzte Prüfung und war so glücklich nun endlich alles geschaft zu haben.
Er kam nach der Schule wie immer nach Hause und hat uns erzählt wie es so gelaufen ist.
Uwe war zu Hause da in BW Feiertag- Fronleichnam- war. Bis zu diesem Tag war Uwe 16 Jahre lang auf Montage und nur das WE zu Hause. Schon deshalb, war das Verhältnis zwischen mir und meinem Jungen sehr intensiv.
Wir freuten uns mit Oli, über die geglückte Prüfung.

Erst war er bei Uwe, der im Garten zu tun hatte und hat ihm dort alles erzählt, dann ist er zu mir rein gekommen. Ich habe mein Büro bei uns im Hause.
Ich hatte an dem Tag im Büro so viel zu tun, (ich hasse mich dafür) so dass wir uns dort unterhielten, ich drückte ihn, wir küssten uns und er sagte mir, dass er total erleichtert ist und nun erst mal abschalten möchte, zuerst in den Club will und danach seine Freundin zum baden abholen möchte. Ich gab ihn noch 2 €, weil er im Club ne Cola trinken wollte. Dann ist er los.
Ich habe Oli immer, wenn er mit seinem Moped weg ist, zum Tor begleitet und gesagt "pass auf dich auf"! Und an diesem Tag habe ich ihn einfach fahren lassen, habe nicht geguckt ob sein Handy dabei ist und habe ihn nicht das Tor geöffnet. Ich verzeihe mir das nie!! Ich habe gedacht, "jetzt wird mein Oli langsam erwachsen, ein neuer Lebensabschnitt wird beginnen". "Er ist kein Kind mehr."
Dann als ich nach ca. 1 Stunde im Büro so weit fertig war, kochte ich Kaffee.
Uwe rief plötzlich er brauche ein Pflaster, weil er sich ins Bein geschnitten hat und derb blutet. Ich brachte das Pflaster, die Tassen und den Kaffee runter zu meinem Mann. Er brauchte das Pflaster nicht mehr, die Blutung war auf einmal gestillt. -Wir wollten Kaffe trinken.
Doch es kam anders.
Dieser Tag war furchtbar heiß, ein ganz schlimmer Luftdruck und eine ekelhafte Hitze stand wie eine Wand in der Luft. In der Nacht zu vor war ein furchtbarer "roter Vollmond" und ein Käutzchen schrie über unserem Haus.
Vielleicht klingt das unglaublich doof, aber ich habe immer schon Angst vor Käutzchen gehabt.
Ich saß also da und wollte mit meine Mann Kaffe trinken, doch irgendeine innere Stimme sagte mir ich will nach Querfurt fahren. (3km von uns weg-mein Heimatort, meinen Eltern und meine Freundin wohnen dort). Ich suchte mir aus unerklärlichen Dingen ein Bewerbchen, dass ich dort hin fahren will. Also sagte ich zu Uwe: "ich fahre jetzt zu Conni" (meine Freundin), obwohl im nachhinein,.. was ich dort nur wollte? Wir waren für 18:00 Uhr bei mir verabredet und sie kam ja dann auch noch.???
Ich ließ den Kaffee also stehen und fuhr Richtung Querfurt. Ca. 1000m von unserem Haus entfernt, am Ortsausgang, plötzlich lauter Leute auf der Straße, ein Krankenwagen, ein roter Golf. Und da war da so ein schlimmes Gefühl in mir! Ich hielt an, ließ die Scheibe runter und fragte was passiert ist, ein Mann der mich nicht kannte, sagte knall hart:"da hat sich einer tot gefahren"- ich:"wer?"- er:"Oli Beck".
Von da an empfinde ich alles, wie unter einer Glocke.
Ich stieg aus, schrie, machte mir den Weg frei, ich wollte nur zu Oli.
Dann hat mich die Ärztin zu ihm gebracht.
Da lag nun mein liebstes was ich auf der Welt hatte, regungslos, aber nicht wie verunfallt, sondern als ob er schlief. Nur ein bißchen Blut kam aus der Nase und sein Ohr war blau.
Ich habe mich auf ihn gelegt, ihn immer wieder gesagt er soll mit mir nach Hause kommen, alles wird doch gut. Dann mekte ich wie sein Arm sich bewegt hat. ??
Plötzlich sah ich dass der Leichenwagen schon um die Ecke stand.
Ich rief sie sollen Uwe holen.
Das taten sie dann. Er kam mit dem Fahrrad. Ich weiß nicht wie er es bis dort hin gschafft hat.
Wir nahmen immer wieder unseren Sohn in den Arm und haben ihn gestreichelt. Dann hat mich Uwe
von Oli weg genommen. Ich wollte nicht. Aber ich mußte.
Horror!!!
Wir wissen bis heute nur folgendes: dass Oli wie er es uns sagte erst im Club war, dort mit seinen Kumpels eine Cola getrunken hat, dann los Richtung Querfurt gefahren ist. Dann hat er am Ortsausgang einen (Bekannten) stehen gesehen, hat dort gehalten, mit ihm gesprochen und dabei wohl bemerkt, dass er sein Telefon zu Hause vergessen hat. Und wie das so ist bei der Jugend, ohne Handy geht nichts.
Er wollte noch mal schnell nach Hause um das Sch...Ding zu holen.
Dieser (Bekannte) ist hinter Oli her gefahren (gejagt)
Jeder der ihn kennt weiß in welcher Weise!!! Er lockt seine Freunde und Bekannten raus und stachelt sie auf.... Ein wiederlicher, falscher Fünfziger. Und damit halte ich mich mit meiner Beschreibung noch sehr zurück.


Was auch geschieht, nie sind nur die Opfer Schuld. Es sind die Umstände und immer auch andere Menschen mit beteiligt.


In einer Kurve (vor der ich immer schon Angst hatte) kam ihnen ein roter Golf entgegen, Oli ist gestürtzt und ist dem Golf entgegen geflogen.
Für uns ist dies völlig unvorstellbar. Oli war ein super Fahrer.
Was Oli mit diesen Bekannten besprochen hat, wissen wir bis heute nicht.
Wir haben ihn nicht wieder gesehen.
Als ich an die Unfallstelle kam war er längst weg. Ganz typisch!!!
Haut einfach ab. Wie kann man nur?
Das hätte Oli niemals fertig gebracht.
Dieser Kerl war der letzte der mit meinem Oli gesprochen hat und hält es nicht für nötig mal mit uns zu reden. Er ist wie vom Erdboden verschluckt.
Ich hatte vor diesen Jungen immer Angst. Ein unsympatischer, unangenehmer Junge, der seine Augen stets hinter seinen blonden, langen Haaren versteckt hat. Er konnte mir nie ins Gesicht schauen. Oli spürte auch, daß er immer einen Schritt vor ihm sein wollte und dies auch immer geschafft hat.
Was auch immer passiert ist, eines Tages kommt es ans Licht. Wir werden irgendwann erfahren was wirklich passiert ist.

Außerdem glaube ich neben der irdischen Gerechtigkeit, die so selten wirklich gerecht ist, an eine andere, spätere Gerechtigkeit. Irgedwann, ob jetzt oder später.
Ich weiß, daß ich vor eine Mauer renne, wenn ich anfange zu suchen. Mein geliebter Sohn kommt nicht hier her zurück, aber ich lerne Geduld zu haben, ich warte ab und letztendlich steht eins fest, er wartet auf mich und holt mich irgendwann ab, das weiß ich.
Dieser 15.06.2006 war der Tag an dem wir das wichtigste in unserem Leben verloren haben.

Warum war dieser Tag so völlig anders als alle anderen Tage davor?

Warum bin ich an diesen Tag von den normalen Geflogenheiten ab gegangen? Warum habe ich ihn nicht wie immer zum Tor gebracht? Warum habe ich gedacht, daß er jetzt erwachsen wird und ich ihn nicht mehr so behüten muß?
Immer diese WARUM? Und das schlimmste WARUM- warum mußte Oli ausgerechnet diesen Typen treffen?

Das WARUM? hört nicht auf.
Wie kann es sein, dass er an diesem Tag, nach der Prüfung so glücklich war und dann so etwas passiert?
Und warum diese Zeichen? Das Käutzchen?, der Mond?, meine Angst?, meine Träume?
Wir wissen jetzt auch, dass genau um diese Zeit als es passiert ist, mein Mann sich ins Bein geschnitten hat und meine Mutter (die Oli sehr liebt) einen wahnsinnigen Schmerz im Nacken hatte.
Und warum wollte ich auf ein Mal keinen Kaffee mehr trinken, sondern nach Querfurt fahren.
Hat mich Oli dort hin gerufen? Wollte Oli, daß ich noch mal zu ihm komme? Bevor sie ihn abholen?
Fragen über Fragen.
Am Abend, dieses unsagbar heißen Donnerstags, verabschiedete sich der Tag mit einem unsagbaren lauten und tösenden Gewitter.
Es war, als ob unsere Oli schimpft. Als ob er uns etwas mitteilen will.

Tut doch was!!!
Doch wir konnten nichts tun. Wir saßen versteinert und blickten in das Gewitter.

 

 

 

 

Wir haben gelernt zu warten.
Und wir wissen heute, daß die Zeit kommt......

Wer sich schuldig gemacht hat, wird seine Strafe bekommen.

                 



                                      

 

 

 

Ich bin nur in den nächsten Raum gegangen....

was immer wir einander waren,

wir sind es noch.

(Scott Holland)

 

 

 



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